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Wenn Jungs reiten lernen.....

„Tommy Popcorn ist der Beste!“ „Nein, Sternchen ist viel besser!“ „Tommy ist viel klüger!“ „Sternchen ist viel schneller und kann viel höher springen!“ Ich lausche dem Dialog von John-Friedrich (6) und Anton (8) unverkennbar über ihre Lieblingsponies. Es ist knapp Mitternacht. Eigentlich müssten die beiden jungen Herren längst im Bettchen liegen und schlafen. Doch heute ist (fast) alles erlaubt. Wir zelten in der Reithalle. Ein wirklich außergewöhnlicher Anblick. Der Regen prasselt auf das Hallendach. Im Hintergrund lauschen wir den Klängen eines alten Grammophons von ca. 1920. Auch ich beginne die Reithalle aus einem völlig anderen Blickwinkel zu sehen. Es ist eigentlich völlig logisch: Die Reithalle ist das brausende Meer, die Tribüne ein Piratenschiff, welches es zu erobern gilt. Freispringständer dienen als Leitern zum Erklimmen des Schiffes, Führstricke als Taue und Gerten benötigt „Mann“ als Säbel oder Degen. Wenn ich so drüber nachdenke, ist das alles völlig logisch. Hätte ich auch selber drauf kommen können. Gruselgeschichten auf dem Reithallenboden hatte ich bis hier auch noch nicht gehört. Das ich es mit den Kavalieren der Zukunft zu tun hatte, wurde mir klar, als mich Jakob (11) zum Tanzen aufforderte und ich von Maximilian einen gegrillten Marshmallow serviert bekam.

Damit man die hungrigen Mäuler von sieben Jungs und drei (ausgesuchten) Mädels stopfen kann, benötigt man (nach eigenen Angaben) 80 Würstchen.

Zur Info zwischendurch: Die 10 Nachwuchsspringreiter waren der Mittelpunkt unseres vierten Sommerlehrgangs. Vervollständigt wurde der 10-tägige Reitabzeichenkurs durch nach einmal so viele – fast in den Hintergrund geratene – „normale“ Reitschüler.

Wie wir inzwischen gelernt haben, sind für Jungs die wichtigsten Fragen: „Darf ich alleine reiten?“, „Wann springen wir?“ und „Wann reiten wir aus?“

Für uns stand fest, alles musste gemacht werden. Nach dem die ersten Lehrgangstage mit dem Erlernen der Grundlagen verbracht worden waren, (übrigens gelernte Hufschlaffiguren überprüft man am besten auf dem Trecker durch die Halle fahrend – noch als Beifahrer) mussten jetzt endlich die spannenden Dinge in den Mittelpunkt treten.

Cross-Country-Führzügelklasse stand als erstes auf dem Programm. Nach ausgiebigen Informationen und Abgehen des Parcours ging es an den Start. Aufgrund der imposanten Geländesprünge und der plötzlich sehr sportlichen Ponies, wurden die Stimmen der sonst so vorlauten jungen Herren doch etwas leiser. Willy (11) und Sternchen galoppierten als erste durch die Ziellinie. Mit nach luftschnappender Stimme fragte ich ihn, wie es denn war. „Echt geil!“

Reitet man mit den Jungs aus, muss man sich keine Sorgen machen, zu verhungern. Ziel unseres „Führzügelausrittes“ war unser Nachbarort Breese i.M., wo wir uns bei Familie Seegebarth zum Eis essen eingeladen hatten. Der Hunger übermannte uns aber bereits etwas früher, so dass wir uns spontan zum „Äpfel klauen“ verführen ließen. Natürlich für Pferd und Reiter! Auf unserem Rastplatz angekommen, verspeiste jeder etwa drei Eis. Man sollte meinen die Bäuche sein nun voll gewesen, doch da irrte ich mich gewaltig. Der nächste Spontanbesuch galt Familie Siemke um Sohn Arne (4) für unsere Jungstruppe zu gewinnen. Hier wurden wir mit Gummibärchen überhäuft. Ach ja, zwei Häuser weiter wohnt Familie Möller (Enkelkind Kilian (7) ebenfalls potienteller Kandidat), sagen wir auch noch kurz „Hallo“. So kam es, dass wir versehentlich in Mitten der 60. Geburtstagsfeier von Oma Möller landeten. Spontan stimmten Leopold (9)und Maurice (9) ein Geburtstagsständchen an, wofür wir mit Kuchen und nochmals Eis belohnt wurden. Mit Pferdezüchter Opa Möller verabredeten uns für in 10 Jahren auf ein zünftiges Gläschen Schnaps (wie es sich für echte Reiter gehört). So traten wir gut gelaunt den Heimweg an.

Mit großen Schritten näherte sich der Prüfungstag. Die Spannung stieg: Leichtraben, Aussitzen alles kein Problem. Aber was ist mit alleine galoppieren? Quasi die alles entscheidende Frage für unsere jungen Lehrgangsteilnehmer. Reitabzeichen 10 hatten die meisten schon bei unserem ersten gemeinsamen Kurs gemacht. Vom Ehrgeiz gepackt wollten es die Jungen nun wissen. Im Rahmen der Sitzübungen hatten wir fleißig geübt. Bei allen „Großen“ klappte es auch bei der Generalprobe. Die Freude war groß, als vor den sieben Jungs mit Fritz von Blottnitz und Hartmut Tüngerthal zwei männliche Richter standen. Theorie und auch die Praxis klappten hervorragend. Manchmal ist es doch erstaunlich, wie viel Jungen mit bekommen, auch wenn sie die Hälfte der Zeit mit „Unsinn“ beschäftigt sind. Jedenfalls haben die vier Größten tatsächlich das Reitabzeichen 9 bestanden und wurden insbesondere für ihr theoretisches Wissen gelobt.

Zum Abschluss kann die Frage auf: „Dürfen wir nächstes Mal Basispass machen?“ Und einer antwortete: „Dann müssen wir zum ersten Mal ein ganzes Buch lesen. Und nachher noch wissen, was drin steht…“

– Nanette Kaiser

P.S. Ach ja, eins habe ich noch vergessen: Zitat Anton (8) in der zweiten Reitstunde: „Frau Kaiser, ich fühle, dass ich jetzt so gut reiten kann, dass ich keinen Reitunterricht mehr brauche!“